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                                                          Excuse me

27/8/2015

4 Kommentare

 
„Do you speak English?“, fragt er mich, sein Deutsch ist nicht besonders, und er will erzählen. Seine markanten Gesichtszüge, die davon sprechen, dass er in seinem Leben harte Entscheidungen getroffen hat, sind wie unterwandert von einer staunenden Milde, was seinem Antlitz etwas Geheimnisvolles gibt. Von Damaskus erzählt er zunächst, wo seine schöne Villa steht, „so ähnlich wie diese“, sagt er und zeigt stolz auf einen der prächtigen Altbauten, die den Hamburger Stadtteil Rotherbaum prägen. Lange war er jetzt schon nicht mehr in Syrien, „die Umstände sind nicht danach“.  Hier wohnt er südlich der Elbe und verbringt dort jetzt den größten Teil seiner Zeit, auch wenn er trotz seiner zweiundsiebzig Jahre noch immer regelmäßig in sein Moskauer Büro fliegt. Und das, obgleich er dreimal in der Woche zur Dialyse muss, seine Nieren versagen ihm seit einem Jahr ihren Dienst.
„Die Krankenhäuser in Hamburg und in Moskau kooperieren“, sagt er, wiederum mit einer ordentlichen Prise Stolz, „um mir das Weiterarbeiten zu ermöglichen“. „Cooperation“ und „Communication“ sind seine Wörter, und sie sind ihm wichtig. Man hat sich sehr bemüht, herauszufinden, warum er seit der letzten Dialyse plötzlich starke Dauerschmerzen in den Muskeln und den Knochen hat, bisher ohne Erfolg, „aber sie werden es herausfinden“, meint er und holt tief Luft.
„Excuse me“, das wird er noch oft sagen, wenn er eine kleine Erzählpause macht und dann fortfahren will. Es wird ein Abriss seines Lebens und seiner Einschätzungen der Machtverhältnisse dieser Welt und man merkt: er hat eine Menge gesehen und erlebt. „Cooperation“ und „Communication“ sind die Eckpfeiler seines Glaubens an unsere Fähigkeit, in Frieden miteinander zu leben.
Syrien, Russland, die Ukraine, Putin, die Flüchtlinge, er holt weit aus. Und natürlich „Amerika“, wie er sagt, er sei nicht „anti“, aber er wolle Antworten auf seine Fragen.
Und dann macht er eine längere Pause. Und sein „excuse me“, bevor er zum letzten Teil seiner Erzählung kommt, klingt anders, es weint fast.
Er ist im Irak geboren. Von der Hochzeit erzählt er, die in der Nähe seines Heimatdorfes gefeiert werden sollte. Man habe Zelte errichtet, drei Tage und Nächte ein rauschendes Fest gefeiert und dabei auch, wie es der Brauch sei, in die Luft geschossen, Freudenfeuer.
„Sechshundert Menschen“, sagt er tonlos, „mussten sterben, als das Areal gezielt bombardiert wurde“.

„Excuse me, how can wie love them?“ fragt er und schaut mich an. Es ist die Frage eines Menschen, dessen Leben fast buchstäblich an seidenem Faden hängt und der mit dieser Frage nicht eine negative Antwort geben will, sondern ohnmächtig nach seinem eigenen Ausweg sucht. Ist da noch ein Weg? Die Milde hinter seinen harten Gesichtszügen spricht von einem „Yes“. Auch wenn es zögert.


                                                                                                                                            *


4 Kommentare
achim34 link
28/8/2015 08:49:02

Die Frage, die mir sofort kam, war: "Und welche Antwort gabst du ihm, lieber Michael?"
Ist nicht immer das eine selbe Schwernis der unter Solchem leidenden Menschen der alternativlose Glaube an das Sinnliche, das uns vorgaukelt, wir Alle -auch die Moerder!- seien "bewegte Leiber", sodass auch unsere "Liebe" auf sie hin ausgerichtet sei?
Die LIEBE ist ohne coerperliche Vergaenglichheit und nicht auf solche hin ausgerichtet.
Einzig so mag sie nicht bedroht oder gar zersetzt werden.
So einfach gesagt. Und doch so schwer zu erreichen.

Alles Gute uns Allen!

Antwort
Michael
28/8/2015 10:39:18

Schwer zu erreichen, aber es gibt diese Momente, wo etwas davon durchschimmert. Und in diesem Sinne: ich gab ihm Antwort, indem ich ihm zuhörte, und er mir mit seinem "Yes". Und ich denke, die Liebe war zwischen uns und hat uns die eigentliche Antwort gegeben.

Sei herzlich gegrüßt,

Michael

Antwort
grace
14/4/2019 18:31:25

YES <3

Antwort
Michael
14/4/2019 18:41:05

<3

Antwort



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